Lean-Agile-Yapeal-Hero

In Telegram diskutiert; hier eingestellt. Eine erfundene Geschichte rund um Yapeal; wie ich mir das als aussen stehende Person vorstelle.

Vorwort

Gab es in den 1990er-Jahren noch 200 Finanzinstitute, sind heute davon noch 62 übriggeblieben. Das grosse Schrumpfen in der Branche hat stattgefunden. Selbst die einst älteste Bank Leu (Gründung: 1755) ist in einer Grossbank verschwunden – sie wurde von der Credit Suisse übernommen.

Informatik war und ist bei den Banken ein wichtiger Erfolgsfaktor. Im Idealfall kostet sie (fast) nichts und automatisiert die komplette Bank. Dieses «Perpetuum Mobile» – eine Maschine, die sich ohne Energie von selber antreibt – ist Illusion. Informatik kostet immer. Mit effizienten Entwicklungsmethoden können wir sie wirkungsvoller und schlagfertiger gestalten.

Um heutzutage eine neue Bank zu gründen, muss man ein wenig wahnsinnig sein.

Oder man orientiert sich an modernen Entwicklungsmethoden und Denkhaltungen. Die Philosophie, nur das wirklich Notwendige zu machen, versteckt sich hinter dem Wort «Lean» (Schlank). Der Begriff «Agile» ist in aller Munde. Ich bin überzeugt, dass man neuartige Produkte nur mit agilen Methoden und Denkhaltungen erfolgreich entwickeln kann. Das ist der Grund, warum ich Yapeal-Kunde wurde bzw. die APP in mein Testportfolio aufgenommen habe.

Das Ganze ist aber noch so neu, dass sich nur wenige etwas darunter vorstellen können:

«Das Trendwort “Agile” ist wie Sexgeschichten unter Teenager:
Jeder spricht darüber.
Niemand weiss wirklich, wie es geht.
Jeder denkt, dass alle Anderen es tun.
Also behaupten alle, dass sie es tun.»

Perfektes Material, um der Phantasie freien Lauf zu lassen. Wie gründet man eine Firma und führt sie zum Erfolg? Eine frei erfundene Geschichte von einem Start-Up namens Yapeal, wobei die Namen der Protagonisten und Handlungen komplett frei erfunden sind.

Mit einer Kombination aus «Real-IT» und Fiktion soll die Geschichte vor allem eines: Unterhalten. Und vielleicht wird die eine oder andere Beschreibung Sie inspirieren oder zu reden geben.

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Kapitel 1 – Wie alles begann

Der Platz im gemachten Nest

Montagmorgen, 10 Uhr. Sebastian, Daniel, Stephan, Christian und David sitzen wie immer im Büro. Es ist das Büro einer Grossbank in Zürich.

Das Team arbeitet bereits seit ca. 15 Jahren in der gleichen Firma im Bereich der Softwareentwicklung. Meist arbeiten sie zusammen im gleichen Team. Ab und an arbeiten sie zusammen – allerdings in unterschiedlichen Teams. Sie gehören zu den alten Hasen. Sie sind die Orakel, wenn der Jungspund in der Firma nicht mehr weiterweiss.

Aktuell sollen sie bei den Kernsystemen der Bank Optimierungen vornehmen. Ein Entwickler-Team hat gejammert, dass sie vieles in der APP nur kompliziert lösen mussten, weil das Kernsystem nicht mehr hergibt. Der Erfolg der APP hänge von der Einfachheit des Kernsystems ab.

Die Architektur-Abteilung hat in ihrer Macht und Güte entschieden, dass das Kernsystem optimiert werden muss. Natürlich hätte man die APP überarbeiten können. Aber ihr wisst ja: Der, der am lautesten schreit, wird erhört.

Eigentlich traut sich an dieses System niemand ran. Der Bereichsleiter vom Kernsystem hat mit Sebastian, Daniel, Stephan, Christian und David gesprochen. Wenn es jemand schafft, dann diese Truppe.

«Ich bin am Ferien planen. In der Ressourcenplanung und im Outlook habe ich es eingetragen. Reicht das?» fragt David.

«Nö, nicht annähernd. Du musst die geplanten Abwesenheiten auch in den Excel-Listen der Teams “Basket Tossers”, “Player Machines” und “Scrum Lords” eintragen. Schau mal, ob man im Zeiterfassungstool auch noch was eintragen muss»

«Machst Du Witze? Für was habe ich Informatik studiert? Um in Hundert Systeme meine Ferien einzutragen? Und was sind das für lächerliche Team-Namen?»

Man merkt; Bürokratie liegt David nicht so.

«Das Ganze ist so einfach gehalten, wie es einfach ist, ein Konto bei uns zu eröffnen: Am schnellsten geht es am Schalter, aber wenn man Geduld hat, schafft man es innert 5 Tagen über die APP.»

«Ach David, Dein Sarkasmus wieder.»

«Stimmt doch! Wie heisst es: “Wenn sie einen Scheissprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiss digitalen Prozess.”»

«Ich gebe Dir ja recht. Modernes Banking müsste anders gehen. Leichter, schneller, eleganter, unbürokratischer. Aber bei den alten Systemen, welche die Banken im Betrieb haben? Unser Kernsystem stammt noch aus den 1970ern. Ich war noch nicht mal geboren als man angefangen hat, das zu entwickeln.»

«Hat sich aber gut gehalten über die Jahre.»

«Das beweist nur, dass Software-Code über die Jahre nicht verrottet. Er reift aber auch nicht über die Jahre, wie dies bei gutem Wein passiert. Man war für die Überarbeitung zu bequem.»

«Das zu überarbeiten wird doch ein Fass ohne Boden. Wir haben rund 250 Systeme, die damit zusammenarbeiten müssen. Bis das entflochten und abgelöst wird, sind wir pensioniert.»

«Sag nicht sowas. Eine eigene Bank müsste man gründen. Dann hätte man die Ausrede mit den Uraltsystemen nicht mehr.»

«Da hast Du recht. Aber seien wir ehrlich: Wer wartet schon auf eine neue Bank!»

«Ich habe mir für die Ferien bei Revolut ein Konto eröffnet. Neue Bank, günstige Wechselkurse.», erläutert David.

«Revolut?»

«Ja. Irgend so ein Banking-Spinner, der bei der CS gearbeitet hat, hat in London eine Bank gegründet. Die Angebote sind so günstig, dass wir selbst mit den Mitarbeiterkonditionen nicht mehr mithalten können.»

«Neue Bank gründen? Da muss man schon gehörig einen an der Waffel haben.»

«Eigentlich wäre das eine Challenge für uns! Aber seien wir ehrlich: Der Lohn stimmt, viele Ferienwochen und auch sonst ist hier alles auf Wohlfühloase getrimmt. Gratis-Kaffee, Früchte… Keine Ahnung, was passieren müsste, damit wir die Firma verlassen. Wir werden hier wohl pensioniert.»

Ein sehr erfolgreicher Arbeitstag verstreicht mal wieder.

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Feel the Beat

Es hat sich eingebürgert, dass sich das Team jeden dritten Freitag vom Monat mit Beat auf ein Glas Wein oder Bier trifft. Beat hat vor vielen Jahren in der gleichen Firma wie sie gearbeitet und sie haben gemeinsam ein paar innovative Projekte in Rekordzeit verwirklicht.

Für das Team war es stets ein Rätsel, wie Beat an diese Aufträge kam, aber die Arbeit war anspruchsvoll und interessant. Da hört man auf zu hinterfragen.

Was der eigentliche Job von Beat in der Bank war, weiss niemand so genau und es weiss auch niemand, wo Beat sich aktuell überall aufhält. Er ist viel unterwegs und hat ein gewaltiges Netzwerk. Beat hat ein feines Gespür für Menschen und kann diese begeistern, ohne dass er speziell auffällt.

Doch heute ist etwas anders. Beat wirkt aufgeladen. Wacher als sonst. Seine Augen glänzen.

«Leute, die Lage ist ernst!»

Was ist los? Folgt eine Ansprache? Dramatisierung ist untypisch für Beat.

«Einst war der Bankenplatz Schweiz ein wichtiger, konkurrenzfähiger und stolzer Bankenplatz. Dann kamen viele Änderungen in der Bankenregulierung, ihr erinnert euch?»

Klar erinnert sich das Team daran. Das war die Zeit, wo Juristen und Anwälte Anforderungen an Software schrieben. Die Entwickler mussten diese ohne Murren umsetzen. Wehe, man diskutierte über mögliche Verbesserungsvorschläge. Optimierungen. Oder elegante Lösungen.

«Die Juristen haben mit ihrem “Legal Shizzle” den Finanzplatz kaputt optimiert. Juristisch alles perfekt; wie eine Festung. Aber das kann doch kaum mehr ein Kunde bedienen. Habt ihr mal getestet, wie lange es geht, bis man ein Konto in der Schweiz eröffnet hat? Unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen und dem Negativzins ist “Swiss Banking” nur noch grotesk. Habt ihr gesehen, was ausserhalb der Schweiz abgeht? Günstige Währungswechsel, günstige oder keine Gebühren, Transaktionen innert Sekunden!

Selbst das von der EU erzwungene SEPA ist schneller als eine Überweisung innerhalb der Schweiz. Kann nur Euro; ist aber schneller und günstiger. Wenn die Asiaten erst mit brauchbaren Lösungen kommen, dann können wir mit unseren antiken Lösungen in der Schweiz einpacken.»

«Du weiss ja noch, wie das bei uns war.» unterbricht Sebastian. «Uraltsysteme. Wir wurden genötigt, die vielen rechtlichen Aspekte einbauen; dann wurde es noch träger. Zeit für Optimierung gab es nicht. Und nun sind die Systeme, wie sie halt sind. Wollte man da aufräumen, bräuchte man viel Zeit und Geld. Da ist es einfacher, eine neue Bank aufzubauen.»

«Jungs! Das ist es, was ich meine. Es braucht eine neue Bank in der Schweiz. Dringender denn je. Wenn wir nicht handeln, schmilzt der Bankenplatz Schweiz weg.»

Drama, Baby?

«Banking muss einfacher werden. Banking muss wieder Spass machen! Und das Ganze muss aus der Schweiz kommen. Es muss doch gopfridstutz möglich sein, brauchbare Produkte, welche in Echtzeit funktionieren, in der Schweiz anzubieten. Meint ihr nicht?»

«Klar müsste das möglich sein. Immerhin gibt es einiges an Standardsoftware, welche man für Banking verwenden könnte. Banking-Lösungen gibt es fixfertig inklusive begehbaren Demo-Banken, z.B. in Indien.»

«Das sehe ich auch so. Standards, wo möglich und sinnvoll. Aber ich brauche ein Team, das sich am Markt auskennt. Ich brauche ein Team, das “unkompliziert” kann. Und ich brauche ein Team, das selber programmieren kann.»

«An wen hast Du da gedacht?»

«Jungs, ich will ein Start-Up gründen. Peter, Michael und ich organisieren das Startkapital. Ihr habt die Beiden auch schon gesehen. Aber Jungs, wir brauchen die Besten! Euch!»

«Wir sind noch bei Deinem ehemaligen Arbeitgeber angestellt. Das weisst Du.»

«Genau. Nun kommt der etwas unschönere Teil. Jungs, ich kann euch den bisherigen Lohn nicht bezahlen. Die Arbeit wird hart, die Tage lang. 6 Wochen Ferien pro Jahr gibt es vorerst nicht. Den Kaffee müsst ihr selber bezahlen und mit den Obstkörben ist erst mal Schluss.

Aber Jungs, ich kann euch etwas anbieten, das euch so schnell niemand anbieten kann! Mit den aktuellen Optimierungsaufgaben bei eurem Arbeitgeber könntet ihr euch einen schönen Lenz machen bis zur Pensionierung. Aber wollt ihr das?

Kommt ihr zu uns, habt ihr viel Risiko. Keine Ahnung, ob es das Start-Up in einem Jahr noch gibt. Keine Ahnung, ob der alte Arbeitgeber euch wieder zurücknehmen würde.

Jungs! Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie stolz seid ihr auf eure aktuelle Tätigkeit? Wem erzählt ihr in eurem Umfeld davon? Und wer würde verstehen, was ihr da macht? Optimierungen… Eine komplette Talentverschwendung!

Wäre es nicht verlockend, jenseits von Bürokratie, jenseits von “Legal Shizzle” ein cooles Produkt zu entwickeln und möglichst nahe am Kunden und Markt zu sein? Ohne Schalterbeamte? Etwas sichtbares, greifbares entwickeln? Etwas, was ihr euren Familien erzählen könnt und was sie sogar verstehen?»

Ups… Beat hat einen Nerv getroffen.

«Was meinst Du? Bürokratiefrei? Lean? Agile?» fragt Daniel.

«Du hast es erfasst, Daniel. Ich habe ein “Vision Canvas” entwickelt, wo alles drauf steht.»

Beat kramt aus seinem Aktenordner ein Papier heraus. A3. Er faltet es auf.

«Schaut. Das ist das Geschäftsmodell. Zielgruppe, Produkt, Wert, Einnahmequellen usw. Alles drauf.

Die Herausforderung: Traditionelle Geldgeber wollen noch immer 100-seitige Businesspläne. Ich habe aber keine Lust auf traditionell denkende Geldgeber. Wir suchen Leute, die im hier und jetzt angekommen sind. Alles andere bremst uns nur aus. Für das haben wir keine Zeit.»

Da hat das Team etwas verpasst. Beat ist in der agilen Welt angekommen. Mit einem finanziell üblen Angebot. Unattraktiv. Hässlich.

Inhaltlich ist es aber so attraktiv, dass man es nur schwer ausschlagen kann.

Das Team überlegt und gerät ins Grübeln.

  • “Schlechtere Konditionen” vs. “Sehr interessanten Arbeitsinhalt”
  • “Task-Monkey” vs. “Selber denken und mitgestalten”
  • “Sichere Umgebung” vs. “Auf zu neuen unbekannten Ufern”

Spürt ihr den Takt? Das Tempo wird hoch sein.
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Eine neue Bank – alles neu aufbauen – den Vorsprung der bereits bekannten Dinosaurier einholen.

Bei diesen Gedanken wird dem Team warm ums Herz. Glück macht sich breit und bringt die Gesichter zum Strahlen. Die Dramaturgie könnte im Flackern des Kerzenlichtes der Bar nicht grösser sein.

Dann ist sie wieder da: die Realität. Das gemachte Nest. Der Komfort. Die Sicherheit. Die Bequemlichkeit.

Kann das Team sich von den bekannten Annehmlichkeiten lösen?
Wir werden sehen. Schwierige Entscheidungen brauchen Zeit. Ein paar Tage Bedenkzeit.

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